Wendelsheim-DM_3,7cm

3. Januar 2009

Achatvorkommen in Deutschland


St. Egidien bei Hohenstein-Ernstthal, Sachsen

In den  den Städten Glauchau und Hohenstein-Ernstthal treten unmittelbar nördlich der Anlagen der ehemaligen Nickelhütte, die direkt nördlich an das Bahnhofsgelände anschließen, die bei Sammlern bekannten und beliebten Achate auf. Das Vorkommen ist von der Abfahrt Hohenstein-Ernstthal der BAB 4 in etwa 4 km südwestlicher Richtung gelegen. Das Vorkommen von Achatstreufunden ist zwar seit langem bekannt, aufgeschlossen wurde es aber erstmals beim Bau der Nickelhütte in den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Das primäre Vorkommen hat, wie durch Schurfarbeiten festgestellt worden ist, nur eine Ausdehnung von ca. 15 mal 35 Metern (HAAKE & HOLZHEY, 1989), durch Verschleppung der Achate in den Verwitterungsdecken wird eine wesentlich größere Verbreitung vorgetäuscht. Schurfarbeiten im Jahre 1996 zeigten, daß es sich bei dem Vorkommen offenbar um mehrere eng beieinanderliegende Einzelvorkommen handelt. Die genannten Schürfungen im Jahre 1996 brachten hervorragendes Material meist großer Achatkugeln zu Tage (LEONHARD, 1997). Der Achat ist an einen bei St. Egidien ca. 10 m mächtigen, rhyolithischen Ignimbritkörper gebunden (JENTSCH, 1971).

Die Achate im Vorkommen nördlich der Nickelhütte treten fast ausnahmslos als kugelförmige Bildungen auf, die im Querschnitt meist sternförmig begrenzt sind. Die Kugeln liegen im Gestein mitunter so dicht beieinander, das zwei oder gar noch mehrere in einer Probe vorhanden oder zwei Kugeln gar direkt miteinander verwachsen sind.

An den Kugelfüllungen und dem sie umgebenden Gestein wurden zahlreiche Beobachtungen gemacht und beschrieben, die Aussagen zu ihrer Entstehung zulassen (HAAKE & HOLZHEY, 1989; HAAKE, 1990). So wurden beispielsweise innerhalb zweier unmittelbar benachbarter Kugeln Sedimentstrukturen gefunden, die die gleiche räumliche Orientierung aufweisen. Oder in zwei miteinander direkt verbundenen Kugeln kamen gleiche Achatabsätze zur Ausscheidung. Als dadurch aber die Verbindung beider Kugeln unterbrochen worden ist, entwickelten sich im Zentrum dieser Kugeln unterschiedliche Achate. Diese Beobachtungen lassen sich nicht mit der von BLANKENBURG u.a. (1982) vertretenen Meinung erklären, wonach die Achate in den Rhyolithen als umgewandelte Xenolithe saurer Sedimentgesteine, sogenannter Cherts, aufzufassen sind.

Die Kugeln enthalten in ihrem Zentrum häufig phanerokristallinen Quarz, seltener verbleibt ein Hohlraum, in dem es zur Ausbildung schöner Drusen gekommen sein kann, manches Mal auch mit Amethyst- oder Rauchquarzkristallen, und selten wurden auf dem Quarz der Hohlräume überwiegend stark zersetzte Kristalle anderer Mineralien wie Calcit, Dolomit u.a. gefunden. Öfter wurden die Achatausscheidungen in den Kugeln auch während oder kurz nach ihrer Bildung zerbrochen, und die Bruchstücke wurden durch jüngere Achatsubstanz oder gelben bis roten Jaspis wieder verkittet. So entstanden interessante Brekzien. Bemerkenswert ist auch die Füllung zahlreicher Kugeln mit einer sehr feinkörnigen, graugrünen, jaspisartigen Masse, bei der es sich vermutlich um verfestigtes, feinstes ehemaliges Aschematerial handelt. Dieser "Jaspis" läßt sich kaum polieren, und Kugeln, die nur damit gefüllt sind, sind für den Sammler kaum von Interesse.

Die Farbe der Achate ist äußerst vielfältig. Rote bis rotbraune Farbtöne überwiegen zwar bei weitem, aber auch braune, orange und weißliche Farben, oft in schönem Wechsel der Bänderung, kommen vor. Besonders begehrt bei Sammlern, weil recht selten, sind hellblau gefärbte Achate.

Ein Graben an der Fundstelle wird heute vom Grundeigentümer i.a. nicht erlaubt. Nach einer Bearbeitung der Felder können jedoch immer noch ansprechende Funde aufgelesen werden.

 

 

 

Seebachsfelsen im Kühlen Tal bei Friedrichroda

Das Vorkommen liegt inmitten eines Waldgeländes etwa 200 m östlich des Seebachsfelsen in Richtung zum Kühlen Tal, rund 3,5 km südwestlich Friedrichroda. Das Hauptverbreitungsgebiet hat eine Erstreckung von ca. 50 x 150 m.

Das Vorkommen ist an einen der Älteren Oberhofer Rhyolithe (Porphyre) gebunden, der deutlich fluidal ausgebildet ist. Eine eingehende Beschreibung des Vorkommens einschließlich des Feinbaues der vorkommenden SiO2-Mineralien in den Rhyolithkugeln lieferte HOLZHEY (1997).

In den Kugeln treten vereinzelt Trümmerstrukturen auf. Im oberen (südlichen) Teil des Vorkommens überwiegt in ihnen phanerokristalliner Quarz, der häufig in Drusen schöne Kristalle entwickelt hat. Nur in etwa 10% der Kugeln ist es auch zur Ausscheidung von Achat gekommen. Die umlaufenden Achatbänder sind meist nur bis etwa 5 bis 8 mm mächtig und umschließen den phanerokristallinen Quarz.

Häufig kam es in einer Kugel auch nur zur Ausscheidung von Uruguayachat, der für dieses Vorkommen geradezu typisch ist. Die Kugeln in diesem Teil des Vorkommens erreichen nicht selten über  30 cm Durchmesser.

Im untersten (nördlichen) Teil des Vorkommens tritt Achat selten auf, jedoch zahlreiche, meist kleinere (Durchmesser 3 - 10 cm) Drusen mit Quarzkristallen, die mit Hämatit überstäubt sind. Als Seltenheit kommt Fluorit in würfeligen Kristallen vor, meist ist er blaßblau bis grünlich gefärbt oder nur faserig bis körnig ausgebildet. Amethyst kommt untergeordnet und nur blaß gefärbt vor. Zahlreiche Kugeln enthalten graugrüne, dichte, jaspisartige Bildungen, bei denen es sich um feinen, verfestigten "Gesteinsstaub" handelt. Siehe hierzu auch das Vorkommen St. Egidien/Sachsen.

Alle Texte stammen von Reiner Haake und stammen aus dem Buch "Achte sammeln in Deutschland".

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